Wenn ein Blumentopf zur Toilette wird
- Luana
- 30. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Dez. 2025
Es gibt Situationen in der Pflege, die einen im ersten Moment überraschen, vielleicht sogar sprachlos machen und genau solche prägen den Alltag mit Menschen, die mit einer Demenz leben. Ein Beispiel ist eine Situation, welche man nicht gleich vergisst, nicht weil sie unangenehm ist, sondern weil sie uns erneut zeigt, wie wichtig Verständnis, Ruhe und ein Blick hinter das Verhalten ist.
An einen Nachmittag im Wohnbereich eines Pflegeheims. Es ist eigentlich ruhig, viele Bewohner halten Mittagsruhe oder sitzen im Aufenthaltsraum. Als man ein Zimmer betritt, sieht man eine Bewohnerin, die gerade dabei ist, einen Blumentopf als Toilette zu benutzen. Für einen kurzen Moment ist man erschrocken, solche Augenblicke sind nicht alltäglich, aber sie gehören eben manchmal dazu.
Ruhe bewahren – der wichtigste erste Schritt
Wir sprechen sie ruhig an, nennt ihren Namen und erklärt sanft, dass man ihr helfe. Hektik oder Schimpfen verschlimmert nur die Situation. Menschen mit Demenz handeln nicht „absichtlich falsch“ – sie handeln aus einem momentanen inneren Bedürfnis heraus oder weil sie Objekte falsch einordnen.
Orientierung geben
Wie nehmen ihre Hand und bieten ihr an, zusammen zur Toilette zu gehen. Manchmal reicht schon ein einfaches:„Kommen Sie, wir gehen gemeinsam dorthin, wo es bequemer ist.“Sie lässt sich dann hoffentlich problemlos führen, ein Zeichen dafür, dass es nicht Widerstand ist, sondern reiner Orientierungsverlust.
Würde und Sicherheit schützen
Nachdem sie versorgt ist, kümmert man sich diskret um die Reinigung des Blumentopfes und des Bereichs. Wichtig ist dabei, dass sie nicht das Gefühl bekommt, „etwas falsch gemacht“ zu haben. Scham kann bei Menschen mit Demenz lange nachwirken, selbst wenn das Ereignis schnell vergessen ist.
Nachdenken über Ursachen
Man fragt sich woran es lag:
War die Toilette zu weit weg oder schwer zu finden?
War der Harndrang plötzlich da und sie suchte einfach das nächstbeste Objekt?
Sah der Blumentopf vielleicht aus ihrer Sicht tatsächlich wie ein Toilettenstuhl aus?
Solche Gedanken helfen, die Umgebung anzupassen. Zum Beispiel markiert später die Toilette deutlicher mit einem gut sichtbaren Schild und lasst die Tür offen. Kleine Veränderungen.
Was man aus dieser Situation lernt
Es ist sehr nicht zu bewerten, sondern zu verstehen. Ruhe auszustrahlen und würdevoll zu handeln.
Demenz verändert die Wahrnehmung – und wir als Pflegekräfte dürfen Brücke und Begleiter sein.



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